Tonsillektomie – wann ist eine Mandeloperation sinnvoll?

Die Tonsillektomie (Mandeloperation) ist eine der häufigsten geplanten Eingriffe unserer Zeit im Bereich der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.

Dabei handelt es sich um eine operative Mandelentfernung.

Die Gaumenmandeln, bestehend aus lymphatischem Gewebe, das mit einer Kapsel aus Bindegewebe umgeben ist, werden bei diesem chirurgischen Eingriff vollständig entfernt.

Die Mandeln liegen in dem als Mandelbucht bezeichneten Raum zwischen vorderem und hinterem Gaumenbogen und gehören zum körpereigenen Immunsystem. Sie fungieren als Abwehr von Krankheitserregern.

Es besteht die Chance, dass sich das lymphatische Gewebe nach einer Mandelentfernung regeneriert und wieder Abwehrfunktionen übernehmen kann. Dennoch wird, vor allem bei Kindern unter sechs Jahren, eine genaue Anamnese mit Risiko-Nutzen-Abwägung einer Mandeloperation erstellt.

Im Gegensatz zu früheren Zeiten, als häufig schon aus reiner Vorsorge eine Tonsillektomie vorgenommen wurde, sieht man heute genauer hin und entscheidet sich erst dann für eine Mandelentfernung, wenn diese tatsächlich sinnvoll ist.

Lassen Sie sich vor Ihrer Entscheidung wirklich eingehend von einem HNO-Arzt Ihres Vertrauens beraten, um eine voreilige Mandelentfernung auszuschließen.

Kontraindikationen zur Tonsillektomie

Wie bereits erwähnt, erfüllen die Mandeln gerade im Kleinkindalter wichtige Funktionen für den Aufbau des Immunsystems, weshalb bei Kindern unter 4-6 Jahren nur bei äußerster Notwendigkeit eine Tonsillektomie vorgenommen werden sollte.

Da es bei einer Mandeloperation zu großem Blutverlust kommen kann, ist diese außerdem Kinder bis zu einem Gewicht unter 15 Kg, sowie Menschen mit starker Blutungsneigung, nur in wirklich dringenden Fällen anzuraten.

Nach einer akuten Infektion bzw. Entzündung im Rachenraum, sollte diese erst richtig abheilen und erst frühestens nach ca. 4 Wochen eine Tonsillektomie vorgenommen werden.

Bei Leukämie und Agranulozytose sollte von einer Mandeloperation unbedingt abgesehen werden, da diese Krankheiten zu den absoluten Kontraindikationen zählen.

Indikationen zur Tonsillektomie (Mandelentfernung)

Eine Angina wird größtenteils durch Strepto- oder Staphylokokken verursacht. Liegen langzeitige Mandelentzündung Symptome vor bei erfolgloser Antibiotikatherapie, sowie häufig wiederkehrendem bzw. rezidivierendem Krankheitsbild, sollte die Notwendigkeit eine Mandelentfernung (Tonsillektomie) geprüft werden.

Ein chronischer Infektionsherd, wie bei einer chronischen Mandelentzündung, hat eine sogenannte Streuwirkung. Er kann durch Aussenden der Erreger schwere Erkrankungen in Ihrem Körper auslösen, wie z.B. eine lebensbedrohliche Entzündung der Herzinnenhaut oder rheumatisches Fieber, um nur zwei zu nennen.

Maligne Erkrankungen, ein Tonsillar-Abszess sowie weitere Symptome, wenn beispielsweise zu große Mandeln die Atem- und Schluckfunktion beeinträchtigen, sprechen für die Mandelentfernung in Form einer Mandeloperation.

Auch wenn nur eine einseitige Vergrößerung einer Gaumenmandel vorliegt, ist es ratsam eine Mandelentfernung vorzunehmen, um bspw. ein malignes Lymphom als Ursache dafür auszuschließen.

Auch in bestimmten Fällen des Schlafapnoe-Syndroms kann eine Tonsillektomie in Erwägung gezogen werden.

Bei Kindern kann eine andauernde Mundatmung auch die Entwicklung von Kiefer- und Zahnstellung beeinträchtigen, weshalb in solchen Fällen ebenfalls eine Tonsillektomie geprüft werden sollte.

Routineeingriff Mandeloperation

Unter Vollnarkose oder örtlicher Betäubung empfinden Sie während der ca. 30-minütigen Tonsillektomie (Mandeloperation) keinerlei Schmerzen.

Zur Mandelentfernung werden Ihre Gaumenmandeln mit einer „Fasszange“ gehalten, während sie aus dem Gewebe, dem sogenannten Mandelbett, herausgelöst werden. Die versorgenden Gefäße müssen dabei unterbunden werden.

Ein sogenannter Elektrokauter ermöglicht die Mandelentfernung und gleichzeitige Verödung mittels starker Hitze, wodurch es seltener zu Nachblutungen kommt.

Mittels thermischer Schweißmethode wird das Gewebe nur leicht erhitzt, was nach der OP weniger schmerzhaft sein soll.

Eine weitere Methode der Tonsillektomie ist die Verödung mittels Kohlendioxid-Laser.

Sie mit einem hochfrequenten Salzwasserstrahl zu lösen ist eine weitere Methode.

Zur effektiven Blutstillung wird je nach Blutungsqualität in der Regel eine bipolare Elektropinzette verwendet. Nach der Mandelentfernung bleiben ca. 2 cm große Wundflächen. Die ersten 5-8 Tage verbleiben Sie daher stationär.

Schmerztherapie nach der Mandelentfernung

Nach der Mandelentfernung haben Sie in der Regel ca. 2 Wochen lang Wundschmerzen. Die Schmerzqualität ist mittel bis sehr stark, je nach persönlichem Empfinden, und kann in den Bereich der Zunge und/oder die Ohren bis zu den Zähnen ausstrahlen.

Schmerzmedikamente, wie z.B. Paracetamol oder Diclofenac, eine halb sitzende Entspannungslagerung nach der Mandelentfernung, sowie Eisauflagen, verschaffen Linderung.

Risiken der Tonsillektomie

Aufgrund des sekundär heilenden Wundbereiches besteht nach der Mandeloperation eine erhöhte Nachblutungsgefahr. Unbemerkte Sickerblutungen können bis zum Kollaps führen.

Am 1. bis 2. Tag nach der Mandelentfernung, ebenso am 4. bis 6. Tag, wenn sich die gebildeten Fibrin-Beläge lösen, ist die Blutungsgefahr am wahrscheinlichsten. Daher ist es sehr wichtig, nach einer Mandeloperation Ihre Mundhöhle und den Rachenraum mehrmals täglich zu inspizieren.

Bei geringen Blutungen reicht es, eine Eiskrawatte anzulegen und/oder Eiswürfel zu lutschen. In schwereren Fällen könnte eine operative Blutstillung, sowie ein erneuter Krankenhausaufenthalt notwendig werden.

Komplikationen nach der Tonsillektomie vorbeugen

Ruhe ist nach der Mantelentfernung das oberste Gebot, um den Blutdruck auf Normalwert zu halten.

Saure, scharfe, sehr süße und harte Lebensmittel reizen den empfindlichen Wundbereich und sollten gemieden werden, ebenso Fruchtsäfte und koffeinhaltige Getränke.

In den ersten 10 Tagen nach der Mandeloperation sollten Sie nicht heiß Duschen oder Baden und längeres oder schnelles nach unten Beugen vermeiden. Blutungsfördernde Schmerzmedikamente, wie Aspirin oder Ibuprofen, sollten unbedingt gemieden werden, um Komplikationen zu vermeiden.

Die Beachtung dieser Richtlinien wird Ihnen sicher helfen, die Komplikationswahrscheinlichkeit nach einer Mandeloperation gering zu halten.

Lassen Sie sich von Ihrem HNO-Arzt ausführlich über Ihre persönlichen Indikationen aber auch Kontraindikationen informieren, bevor Sie Ihre Entscheidung pro oder kontra Tonsillektomie bzw. Mandelentfernung treffen.

Zum Abschluss noch ein interessantes Video:

Mandeloperation – Wann müssen die Mandeln raus?